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Anonym geschrieben: Stil ist deine DNA

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Gerade in Zeiten steigender Überwachung und dem Vormarsch autoritärer Führungsstile wird die Verschleierung der eigenen Identität für kritische Blogger*innen immer wichtiger. Doch nur unter Pseudonymen zu posten reicht dazu heute nicht mehr aus.

Mithilfe spezieller Computerprogramme, wie beispielsweise JStylo, ist es möglich, Texte bestimmten Personen zuzuordnen. Und zwar anhand ihres Schreibstils. Dabei werden so genannte Features wie Satzlänge und Worthäufigkeit betrachtet, die eine Auskunft über die Charakteristik des Schreibstils einer Person geben.

Stilometrie – Die statistische Suche nach der individuellen Textstruktur

Für Menschen ist das Erkennen von Schreibstilen relativ einfach und läuft intuitiv ab. Welche Merkmale dabei die entscheidenden sind, ist noch nicht eindeutig geklärt. Die Stilometrie versucht seit dem Ende des 19. Jahrhunderts anhand ausschlaggebender Faktoren den Stil einzelner Autoren, Gattungen oder ganzer Epochen zu beschreiben.

Wer ist es, der da schreibt?

Ein Anwendungsgebiet ist der Bereich der Kriminalistik, wo so Personen hinter Drohbriefen identifiziert werden können. Warum man dafür heute gerne eine Software einsetzt liegt auf der Hand: Schneller. Vergleichbarer. Günstiger.

Doch ganz ohne Hilfe geht es noch nicht. Durch die Kombination von bestimmten Merkmalen zu Feature-Sets wird versucht, die Charakteristika der Schreibstile zu erfassen. Für wirklich gute Ergebnisse ist die Software dabei heute aber immer noch auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen angewiesen.

Maschine gegen Maschine

Die Entwicklung auf diesem Gebiet ist noch einen Schritt weitergegangen: Um Programme wie JStylo umgehen zu können, wurden Programme entwickelt, die den Stil eins Textes so verändern können, dass er nicht mehr automatisch erkannt werden kann. Ein Beispiel dafür ist Anonymouth, das sich als erster Schritt in Richtung computergestützter Anonymisierung versteht. Es markiert jene Stellen im Text, die es als entscheidend für den Stil des Autors/der Autorin ansieht. Konkrete Änderungen müssen jedoch noch von Menschen vorgenommen werden.

Dein Stil sitzt tiefer als du denkst

Erstaunlich und ein bisschen furchteinflößend ist, was einem Team aus Psychologen, Linguisten und ITlern gelungen ist. Mit Psyware programmierten Sie ein Programm, das nach einem 15-minütigen Gesprächs, das aus gezielten Fragen besteht, anhand des Sprachstils ein Persönlichkeitsprofil erstellen kann. Die Genauigkeit ist geradezu erschreckend: Bis zu einem Drittel der Ergebnisse sind selbst den befragten Personen neu.

Es ist dadurch möglich herauszufinden, ob man im Vergleich mit seinen Arbeitskollegen neugieriger oder kontaktfreudiger ist, als der Durchschnitt. Und diese neuen Möglichkeiten werden auch genutzt, beispielsweise von Personaldienstleistern und Dating-Websites.

Schrift ist heute omnipräsent. Egal ob in kurzen Twitter Nachrichten, Geschäfts-E-Mails oder Facebook Kommentaren: JedeR schreibt. Wenn man dabei nun bedenkt, was die Worte, die unsere Münder oder Finger verlassen, über uns aussagen, sollte man in bestimmten Situationen vielleicht etwas besser auf seinen Stil achten.

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